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Sommer 1720 – Besichtigung und Untersuchung der Kirchenruine brachten ein niederschmetterndes Ergebnis. Das Gewölbe und die Hauptmauern hatten so gelitten, dass sie wegen ihrer schlechten Beschaffenheit abgetragen werden mussten.

Wetvolle Hinweise zum Baubefund der Pfarrkirche nach dem verheerenden Stadtbrand vom 20. August 1720 werden uns durch die Chronik des Pastors Johann Balthasar Olischer vermittelt. Seine Beurteilung zum Baukörper der Brandruine lässt sich so interpretieren:

1. an der unterschiedlichen Dimensionierung des Hauptmauerwerkes ist zu erkennen, das die Kirche etwa vier Veränderungen/Vergrößerungen erfahren hat

2. erwähnt wird die Vernichtung des Kirchturmdaches und des Glockenstuhls

3. die Gewölbe des Kirchenbaues waren nicht ursprünglich vorhanden, sondern wurden nachträglich ins Gebäude eingesetzt und standen nicht im Verband mit dem Mauerwerk

4. die im Kirchraum vorhandenen Pfeiler, scheinbar in Schalenbauweise errichtet, waren in ihrem Inneren mit Gesteinsabfall verfüllt worden

5. wegen der festgestellten Mängel wurde beschlossen, die nicht mehr tragfähigen Teile des baukörpers abzubrechen und die Kirche größer bemessen wieder zu errichten

Viele zweifelten in dieser Situation an einem baldigen Bau eines neuen Gotteshauses. Doch Hilfe kam von vielen Seiten. Die Hälfte einer Landeskollekte, die für den Wiederaufbau dieser Kirche bestimmt war, brachte das erste Startkapital. Spenden kamen neben “hiesigen” Einwohnern aus dem “Merseburgischen, Würtembergischen, aus Leipzig, Hamburg, Regensburg, Ulm, Zürich, Weisenburg, Bieberach, Dünkelsbühl, Heilbrunn, Kemten, Meinigen und Anspach”. Selbst eine Lotterie trug zur Aufbesserung der Finanzen bei. So wurde es möglich, am 21. April 1721 den Grundstein für die neue Kirche zu legen.

Am 20. August 1722 konnte wieder mit den Gottesdiensten begonnen werden, die bis zur Adventszeit unter freiem Himmel und danach wegen der Kälte im provisorisch hergerichteten Gerichtshaus abgehalten wurden. Am Sonntag Lätare wurde das erste Mal auf der von Amtmann Spitzner in Auftrag gegebenen Kanzel gepredigt. Den Taufstein stiftete das Ehepaar Arzt. Die erste Taufe fand am 18. Sonntag nach Trinitatis statt. Ein besonderer Höhepunkt war wohl auch die Einweihung der Silbermannorgel am Sonntag Exaudi 1725. Bis zur Fertigstellung des Turmes musste man allerdings noch 55 Jahre warten.

Die Neuerbaute Dreiseitig geschlossene Saalkirche mit doppelten Emporen bietet 1200 Besuchern Platz. In jeder Himmelsrichtung befindet sich mindestens ein Eingang, wobei der Haupteingang im Norden liegt. Der Zugang an der Westseite führt in die Brauthalle, das heißt jenes Vorraums, in dem sich die Teilnehmer einer Hochzeitsfeier vor der Ankunft des Brautpaares sammeln. An den Wänden dieses Raumes befinden sich Porträts von Geistlichen, die in den Jahren 1703 bis 1794 in Reichenbach tätig waren. Zu sehen sind George Richter, Johann Baltasar Olischer, Friedrich Gottschald und Joh. Gotthold Schindler. Rechts neben dem Eingang zur Brauthalle führt eine Tür zum Treppenhaus über das die 1. und 2. Empore und den Kirchboden mit seinem gewaltigen Dachstuhl erreichen kann.

Um 1900

Früher hatte die Kirche an der Nord- und Südseite Kapellenanbauten, die von alteingesessenen Familien (Nordseite Fam. Metsch) gemietet waren, dem Schiff des Gotteshauses aber zuviel Licht wegnahmen. Die letzten dieser Kapellen wurden daher bei den Kirchenrenovierungen 1905-1906 beseitigt.

Erst 1780 wurde auf dem Turmstumpf von Baumeister Klug aus Wedau der achteckige Aufbau mit der barocken Laterne errichtet. Der am 23. August 1781 aufgesetzte Turmknopf wurde bereits nach 74 Jahren zusammen mit der Wetterfahne wieder abgenommen. Es fanden sich dabei ein Speciesthaler, ein Gulden, ein halber Gulden und 6 Heller. Desweiteren waren in der Kapsel Notizen darüber enthalten, wer um 1780 ein öffentliches Amt bekleidet hat. Der Stadtrat fügte 1855 ein Talerstück, ein zwei Pfennig-Stück sowie ein vier Pfennig-Stück bei.

Die Reparaturarbeiten wurden notwendig, weil sich schon seit längerer Zeit an der Nordseite Risse zeigten und an den nach Osten anstoßenden Pfeilern Bauchungen wahrgenommen wurden. Sachverständige ließen die Kirche sperren, die Gottesdienste verlegte man bis zur Beendigung einer gründlichen Reparatur in die damalige Gottesackerkirche St. Trinitatis.

Am 23. Juli 1855 konnte nach Beendigung der Reparaturarbeiten und der inneren Ausschmückung der Neuvergoldete Turmknopf mit dem Blitzableiter, der mit einem Pfeil versehen war, wieder an seinen Ort gebracht werden. Der Turm mit Uhrwerk und Glocke befindet sich an der Westseite der Kirche. Aus dem Bericht zum Stadtbrand 1720 ist zu ersehen, dass mindestens zwei Glocken vorhanden waren. Der notdürftig abgedeckte Turm ermöglichte sicherlich die Aufhängung der 1758 angeschafften Vesper- und Feuer(Sturm)-Glocke. 1917 vom Turm geholt, musste sie der Kriegsproduktion zugeführt werden.

Weiter gelang es, aus Spenden und Lotteriegeldern unter der Abgabe des geschmolzenen Metalls der ehemaligen Glocken eine große und eine mittlere Glocke gießen zu lassen. Die große Glocke sprang beim Trauerläuten für den verstorbenen Sächsischen König Johann am 31.(?) Oktober 1873. Diese und die mittlerer Glocke holte man am 21. April 1875 ein. Am gleichen Tag zog man zwei neue Glocken zur Vesperglocke auf den Turm. Am 21. November 1897 läuteten diese Glocken der Peter-Paul-Kirche zum letzten Mal. Sie wurden abgenommen und durch drei neue, mit dem neuen Geläut der Trinitatiskirche abgestimmten Glocken ersetzt.

Nachdem man sie am 25. November aufgezogen hatte, erklangen sie am 26. November 1897 zum erstem Mal. Die große Glocke war in b, die mittlere in d und die kleine in f gestimmt. Wie die Vesper/Feuerglocke wurde auch die kleine Glocke ein Opfer des 1. Weltkrieges. Am 26. Juni 1920 weihte man die in Apolda gegossene Ersatzglocke. Auch der 2. Weltkrieg forderte von den Kirchen seinen Tribut. Bereits Ende des Jahres 1941 nahm man die große Glocke und die mittlere Glocke ab und schickte sie im Auftrag der Reichsstelle für Metalle an das Zinnwerk Wilhelmsburg bei Hamburg. An der verbliebenen kleinen Glocke stellte man später einen Riss fest. Sie wurde deshalb 1948 abgenommen und nach Apolda zum Umguß gebracht. Nachedem fast zweieinhalb Jahre lang das Geläut der Peter-Paul-Kirche schweigen musste, wurden die jetzigen vier neuen Glocken am 2. September 1950 angebracht. Das Geläut besteht aus drei Klangstahlglocken der Glockengießerei Morgenröthe mit den Grundtönen es, g und b. Dazu kommt die kleine umgegossene Bronzeglocke mit dem Grundton f von der Gießerei Schilling & Söhne. Am 10 . September 1950 hörte Reichenbach zum ersten Mal wieder das Geläut vom Turm der Peter-Paul-Kirche.

Die Altarfenster stammen aus einer Stiftung von Stadtrat Johann Gottlob Schmidt, der 1893 die Summe von 5000 Mark bereitstellte. Die Fenster haben eine Größe von 1,50 × 8,00 Metern. Der Gedanke, in diesen Fenstern Jesus und Moses darzustellen, stammt von Pfarrer Kaiser und stieß zunächst auf Kritik des Dresdner Konsistoriums. Es wurde als nicht passend empfunden, Jesus als Haupt der Kirche und Moses als Mittler des alten Bundes nebeneinander bestehen zu lassen.

Gleichwohl setzte man sich gegen die Dresdner Behörde durch.

Und so verkörpert die Hauptfigur des linken Fensters, Moses mit den Gesetzestafeln, das Gesetz: “Du sollst”.

Die Hauptfigur des rechten Fensters, Jesus mit der einladenden Geste seiner Hände, verkörpert das Evangelium: “Du darfst”. Diese Fenster wurden im 2. Weltkrieg zerstört und nach 1945 erneuert.

Der Altartisch der Peter-Paul-Kirche ist aus Holz gefertigt. Darüber befindet sich ein Aufbau, in der die Kanzel eingefügt ist. Links vom Beschauer sehen wir Petrus. Er trägt mit der rechten Hand ein aufgeschlagenes Buch, an den die Worte aus seinem Brief 1,18 zu lesen sind. Die linke hält Petrus belehrend und mahnend erhoben. Er ist zu erkennen an den beiden Schlüsseln, die ihm seit frühester Zeit in Anlehnung an Matthäus 16,19 beigegeben sind: Ich will Dir des Himmelreiches Schlüssel geben.

Auf der rechten Seite steht Paulus. Sein besonderes Kennzeichen ist das Schwert. Es wird gegründet auf den Epheserbrief 6,17: Vor allen Dingen nehme das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. In der freien Hand hält er ein Buch der Gemeinde entgegen, in dem der Spruch 1. Kor. 11,28 und 29 geschrieben ist.

 

 

Altar Peter-Paul-Kirche Reichenbach
AltarÜber den Taufstein, der in der Mitte des Altarplatzes steht, wurde bereits geschrieben. Erwähnt werden muss hier noch das schmale Kupferrohr. das von der Mitte des Beckens in die Tiefe Führt. Es ist heute die einzige Verbindung zu der unter dem Altarplatz befindlichen Gruft.

Endeckt wurde die Gruft 1891 anlässlich des Aushebens der Heizkanäle für die zu errichtende Dampfheizungsanlage. Dieser mit Tonnengewölbe überspannte Raum von 3 bis 4 m Breite und 5 bis 6 m Länge hat 16 Särge beherbergt, die der Adelsfamilie von Metzsch zugeschrieben werden. Eine schmale Treppe führte in früherer Zeit vom Chorraum aus in die Tiefe. 1460 erhielt Konrad von Metzsch unter anderem auch Reichnabch als Mannlehn übertragern. Im Hochmittelalter verkamen derart Kultstätten immer häufiger zur Grablege des öffentlichen Feudaladels.

Um die Peter-Paul-Kirche in ihrer Substanz zu erhalten, sind umfangreiche Renovierungsarbeiten notwendig geworden, die sich infolge der allgemeinen Finanzknappheit leider verzögerten. Die Kirchgemeinde Peter-Paul bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Peter-Paul-Kirche als Gotteshaus und Denkmal zu erhalten und zu sanieren, damit sie nachfolgenden Generationen erhalten bleiben kann.