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Ansicht vom Postplatz

 


Die Trinitatiskirche, in der seit 1686 regelmäßige Gottesdienste gehalten werden, wurde 1621 erbaut. Bei den Stadtbränden in Reichenbach 1720 und 1773 wurde die Kirche jeweils stark beschädigt.
Am 18. Oktober 1896 wurde der letzte Gottesdienst gehalten. Bereits am nächsten Tag begann man mit der Räumung des Kircheninneren. Das Gestühl wurde herausgeschafft. Die Kanzel, der Altar und dir Orgel wurden abgebrochen. Der Fußboden wurde 50 cm höher gelegt. Die beiden Treppenhäuser zu den Emporen wurden beseitigt. Dabei stieß man mehrfach auf alte Grüfte mit verfallenen Sargen und Leichenteilen. Auch die an den Außenmauern angebauten Betstuben wurden abgerissen. Danach begann man mit dem Fundament für die beiden neuen Außentürme
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Von Dezember 1896 bis zum März 1897 mussten die Bauarbeiten wegen des Winters eingestellt werden. Im Frühjahr als man weiter bauen wollte zeigten sich am Hauptgiebel tiefgehende Risse, worauf die Arbeiten wegen Einsturzgefahr zunächst unterbrochen werden mussten. Erst im Juli durfte dann weiter gebaut werden. Das gesamte Mauerwerk wurde durch neue massive Stützpfeiler verstärkt. Aufgefundene Grüfte, die zum Teil bis unter die Grundmauern reichten wurden aufgefüllt. Somit wurden die Mauern gegen ein absinken abgesichert. Die beiden Außentürme waren ende August fertig gestellt worden. In der Zwischenzeit begann man mit Malerarbeiten an den Decken und Wänden der Kirche.
Im Oktober begann man eine neue Heizungsanlage einzubauen. Als Heizraum diente die an der Südostseite der Kirche neu angebaute Sakristei. Diese war früher, die hinter dem Altarraum befindliche Begräbniskapelle.

 

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Innenansicht 1896

 

Im selben Monat konnten die bereist neuen Buntglasfenster im Altarraum eingesetzt werden. Aus Dresden kamen im November die drei neuen Glocken, die am 24. November auf dem Marktplatz geweiht und anschließend aufgezogen wurden. Zum ersten Mal läuteten sie am 1. Dezember 1897.
Das neue Gestühl wurde im Januar 1898 aufgestellt und die neue Turmuhr der Firma Zachariä aus Leipzig eingebaut. Die von der Firma E. Müller aus Werdau gefertigte neue Orgel wurde im Februar aufgestellt und am 3. März abgenommen.
Der neue Altar und die Kanzel wurden von der Kunstanstalt Fritz Schneider aus Leipzig gefertigt. Es wurde auch eine neue Gasbeleuchtung in Betrieb genommen. Nach 15 Monaten reiner Bauzeit wurde die Trinitatiskirche am 21. März 1898 wieder geweiht.
Ein Glanzpunkt der Kirche sind die vier großen Altarfenster, sie sind Prachtstücke der Glasbautechnik. Ebenfalls ein schöner Schmuck sind die Kronleuchter.

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Trinitatiskirche mit angebauten Betstuben

 

1913 wurde die erst vor 15 Jahren eingebaute Orgel durch eine neue Orgel der Firma Orgelbau Gebrüder Jehnlich Dresden ersetzt. Ab jetzt wurde für die Beleuchtung in der Kirche und der Turmuhr elektrisches Licht verwendet.
1917, dem dritten Kriegsjahr des 1. Weltkrieges, musste die große und die mittlere Glocke, aus Bronzeguss, für Kriegszwecke abgebaut werden. Durch Spenden konnte im Jahr 1920 zwei neue Glocken, die von der Firma Schilling in Apolda gegossen wurden, wieder aufgezogen werden. Sechs Jahre später wurde das Innere der Kirche neu gemalt, allerdings wurde auf die neobarocke Ausmalung von 1898 verzichtet und in schlichten weiß und grau ausgemalt. Am 31. Juli 1927 wurden 24 Tafeln mit den Namen von 1322 Gefallenen des 1. Weltkrieges im Altarraum geweiht.

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Innenansicht 1927

 

1935 zersprang die mittlere Glocke und es wurde ein Umgießen der mittleren und kleinen Glocke erforderlich. Am 21. Februar 1937 konnten die beiden neuen Glocken wieder in der Kirche angebracht werden, die wie zuvor von der Firma Schilling aus Apolda gegossen wurden. Wie schon im 1. Weltkrieg mussten auch im 2. Weltkrieg die große und die mittlere Glocke für die Rüstungsindustrie abgebaut werden. Am 30. Oktober 1941 wurden sie abgenommen und in das Glockenlager nach Hamburg überführt. Nach Kriegsende konnten einige Kirchgemeinden ihre Glocken wieder in ihre Kirchen bringen, leider waren die Glocken der Trinitatiskirche nicht unter ihnen. Die Glocken wurden wahrscheinlich eingeschmolzen.Der Bombenangriff vom 21. März 1945 auf Reichenbach ging auch an der Trinitatiskirche nicht spurlos vorbei. Sie wurde nicht direkt getroffen, jedoch entstanden große Schäden durch die Druckwelle der explodierenden Bomben die im Alten Friedhof und in umliegende Bereiche nieder gingen.


So wurde die gesamte Naturschiefereindeckung zerstört. Ebenso waren die Verglasungen der Fenster zertrümmert. Im Inneren der Kirche war die Stuckdecke, vor allem über der zweiten Empore abgesprungen, so dass die Deckenbalken offen lagen. Die Orgel war durch die Staubeinwirkung nicht mehr spielbar und auch die Turmuhr war in der Minute des Angriffs stehen geblieben. Beim Tiefflieger Angriff am 17. April 1945 erlitt die Kirche am Außenputz weitere große Schäden.
Unter aktiver Mithilfe konnte in der provisorisch hergerichteten Kirche – die Fenster waren mit Holz und Pappe vernagelt – am 30. September 1945, den Erntedankfest, wieder Gottesdienst gehalten werden. Es war von Anfang an klar, dass die Beseitigung der Kriegsschäden sehr zeitaufwendig und kostenintensiv sein werden würden.
Viele Gemeindeglieder beteiligten sich am Wiederaufbau durch Eigenleistung in den verschiedensten Formen und durch Geldspenden. In einzelnen Haushalten wurden Sparbüchsen aus Pappe aufgestellt und von Zeit zu Zeit gelehrt wurden. Auch wurde von Herrn Döriger aus Mylau eine Postkarte der Kirche nach dem Bombenangriff hergestellt und verkauft. 1947/48 war es dann möglich , die gesamte Dachfläche mit Naturschiefer – allerdings ohne Dachpappe, die nicht zu beschaffen war – einzudecken. Im Rahmen eines Tauschgeschäfts wurde Schiefer aus der Schiefergrube Lehesten in Thüringen gegen Stoffe beschafft.
Die Verglasung der Fenster einschließlich der Altarfenster wurde von der Firma Beier & Walter aus Dresden hergestellt. Man fand aber nicht die Zustimmung des Institutes für Denkmalpflege, da ein barocker Bau keine farbigen Fenster haben darf, sondern nur Holzfenster mit Blank- und Antikglas.
1949 wurde die Orgel durch die Orgelbaufirma Gebr. Jehmlich gereinigt und instand gesetzt. Am 6. November desselben Jahres wurde sie beim Kirchweihfest wieder geweiht. Jetzt war die Kirche vor den größten Witterungseinflüssen geschützt, jedoch stellte sich bald heraus, dss die Folgeschäden durch Witterung und Fäulnis schwerwiegender waren als bisher angenommen. Am 14. April 1951 wurde die Kirche durch die Baupolizei gesperrt, weil sich einige Deckenbalken aus der Verankerung lösten und auf die zweite Empore gestürzt waren. Im Mai wurde sogar schon die staatliche Baugenehmigung zur Sanierung erteilt, allerdings ohne Materialzuweisung. Durch Eigeninitiative und Beziehungen einiger Gemeindeglieder wurde das meiste Material besorgt. Die Bauleitung lag von Begin an in den Händen des Reichenbacher Architekten Tiesel. Aus dem damaligen Baubericht kann man erkennen das viele Reichenbacher Firmen Stahl, Nägel, Eisenteile und sonstige Materialien zur Verfügung stellten,  aber auch mit Fahrleistungen halfen. Die Holzbeschaffung war mit das größte Problem, denn man benötigte 24fm Holz und noch fast 6fm geschältes Rundholz. Nach Verhandlungen mit dem Kreisrat Plauen und dem zuständigem Forstamt durfte man sich bei Bauern die einen Privatwald besaßen, das benötigte Holz holen. Man bekam nach langen Verhandlungen auch brauchbares Holz von Häusern die abgerissen wurden.

Da die Sanierung mit möglichst geringen Mitteln erfolgen musste, wurde die Ausmalung der Kirche in weiß vorgenommen, die Stuckteile sollten vergoldet werden. Die Gemeindeglieder wurden um Goldspenden gebeten, diese konnte bei einer Spezialfirma in Dresden für Blattgold eingetauscht werden.
Als Beleuchtung verwendete man vier „Flämische Leuchten“ und die dazu gehörigen Wandleuchten. Durch Vermittlung von Pfarrer Burkhardt aus Waldkirchen erhielt die Trinitatiskirche von der Kirche Waldkirchen einen spätgotischen Flügelaltar (Ende 15. Jahrhundert) als Leigabe den man heute noch in Waldkirchen sehen kann.
Trotz Stromabschaltung, großer Kälte im Januar und Februar 1952, und trotz kamen die Bauarbeiten relativ zügig voran. Nach 18 Monaten Bauzeit konnte am 4. Advent 1952, dem 21. Dezember, der erste Gottesdienst gehalten werden. Der Superintendent Mitscherling aus Plauen hielt die Weihepredigt.

Als das Innere der Kirche fertig gestellt war, musste dringend die Außenerneuerungen und die Sanierung des Daches sowie des Turms vorgenommen werden. Das Bestreben des Kirchenvorstandes, eine entsprechende Baugenehmigung zu erhalten, reicht bis in das Jahr 1963 wurde die Westgiebelseite mit einem schweren Holzgerüst bis zum Turmknopf in 38m Höhe und die beiden Seitentürme eingerüstet. Das wirkliche Ausmaß der Schäden konnte erst nach einer Turmbesteigung vom Gerüst aus erst festgestellt werden. Die Dächer des Hauptturmes und der Seitentürme sowie der Simse und Pfeiler, die durch eindringendes Wasser sehr gelitten hatten, mussten dringend erneuert werden. Der Turmknopf und die Wetterfahne mussten demontiert werden. Sie wurden erst 1865 das letzte Mal abgenommen.
Ein Loch im Turmknopf das durch Kriegseinwirkungen entstand, musste repariert und neu vergoldet werden. Am 18. November 1963 wurde die neue Wetterfahne und Turmknopf aufgesetzt.

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Eingerüstete Kirche 1964

 

Das Neuverputzen der Kirche und die Bauarbeiten am Dach und den Türmen erstreckte sich auch über das Jahr 1964. Vier Jahre zuvor entschloss sich der Kirchenvorstand zur Anschaffung eines Hartguss- Geläutes, bestehend aus drei Glocken, da Bronzeglocken nicht zu beschaffen waren. Laut Vertrag mit der Firma Schilling und Lattermann aus Apolda sollten die Glocken bis Frühjahr 1962 geliefert werden, doch die Gemeinde wurde auf eine Geduldsprobe gestellt. Der Guß der Glocke erfolgte im Pressenwerk Morgenröte (Vogtland), die Feinarbeiten dann in Apolda. Am 13. Juli 1964, mit zweijähriger Verspätung, trafen die Glocken in Reichenbach ein und wurden am gleichen Tag aufgezogen. Gleichzeitig wurde eine neue Läutemachschiene eingebaut und die kleine Bronzeglocke wurde an die Ev. – Luth. Kirchgemeinde Schellerhau verkauft. Am 19. Juli 1964 wurden in einem Festgottesdienst durch den Superintendent Wohlgemuth die neuen Glocken eingeweihte. 1963 entschloss sich der Kirchenvorstand, bei der Orgelbaufirma Eule – Bautzen, eine neue Orgel in Auftrag zu geben, weil die Orgel von 1913 sehr an Kriegsschäden gelitten hat und ein Neubau nicht viel teurer geworden wäre als die Restaurierung. Nach sieben Jahren Wartezeit wurde die Orgel im Herbst 1970 geliefert und eingebaut und am 4. Advent 1970, dem 18. Dezember eingeweiht.

Der Flügelaltar wurde vom Holzbildschnitzer Erich Müller aus Dresden geschnitzt und bemalt. Da er aber von der Gemeinde nicht angenommen wurde, bekam er 1983 in der Friedenskapelle, eine stillgelegte Mangelstube im Hintergebäude der Gaststädte „Altdeutsche Landschänke“, einen neuen Platz.

 

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In der Gemeindeversammlung im Mai 1980 wurde erstmals übereine erneute Renovierung nachgedacht. Am 3. Januar 1983 begannen die Bauarbeiten mit dem Aufstellen eines Gerüstes im Kircheninneren. Auch eine neue Beleuchtung musste beschafft werden. Es wurde einen Spezialfirma in Grüna ausfindig gemacht, die sich bereiterklärte den Leuchter sowie eine Anzahl Seitenleuchter, die allesamt aus dem Jahr 1898 stammten, zu restaurieren , fehlende Teile zu ersetzen und die Leuchter von Gas auf Strom umzubauen. Die Ausmalung der Kirche sollte sich an die Gestaltung von 1898 halten, dass war aber ein Problem, da man nur eine Schwarz – Weiß Fotografie von 1913 hatte. Aber wie war die damalige Farbgebung?  Bei der Abnahme der Kanzel, vermutlich das erste mal seit 1898, entdeckte man Farbreste der damaligen Ausmalung.
Die Gedenktafeln der Gefallenen des 1. Weltkrieges wurden bei der Renovierung und Neugestaltung aus dem Altarraum entfernt und zwischengelagert. Es wurde auch einen neue Innentreppe eingebaut die vom Kirchenschiff zur 1. Empore verläuft.
Am 1. Advent 1983, dem 27. November, wurde die Kirche in einem Festgottesdienst wieder eingeweiht.

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In einem Schreiben des Denkmalamtes beim damaligen Bezirk Karl Marx Stadt vom 19.9.1984 geht hervor, dass die Restaurierung gut gelungen ist. Eine akute Gefahr für alle Anlieger und Passanten stellte die im Jahr 1992 Sanierung des Hauptturmes dar. Der Turmknopf und die Wetterfahne wurden am 22. April abgenommen und nach Vergoldung am 22. Juli 1992 wieder aufgesetzt.
Nach gründlicher Überholung wurde die Turmuhr aus dem Jahr 1898 wieder in Betrieb gesetzt.
Außerdem wurde eine neue Läuteanlage eingebaut. Der Außenputz rings um die Kirche wurde ausgebessert und die Fassade neu gestrichen, nach dem die Sanierung des Hauptturmes und der Seitentürme fertig gestellt war.
In der Zeit von Januar bis März 1996 ersetzte eine neue Warmwasserheizung die fast 100 Jahre alte Heizung. Als vorerst letzte Baumaßnahme stand 1997 die Restaurierung der Bleiglasfenster an.